WhatsApp: ZDH warnt vor der Nutzung des Dienstes

Die ab dem 25. Mai 2018 geltende europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sorgt im Vorfeld für viel Furore. So etwa bei der Nutzung von WhatsApp. Der Messenger ist nicht nur im privaten Umfeld beliebt, sondern auch im geschäftlichen Bereich. Doch das ändert sich vielleicht bald. Wie jüngst der thüringische Landesdatenschutzbeauftragte Dr. Lutz Hasse erklärte, handeln 99 Prozent aller WhatsApp-Nutzer illegal. Sie geben der Chat-App Zugriff auf die im Smartphone gespeicherten Kontakte, fragen die betroffenen Personen zuvor aber nicht um Erlaubnis. Das könnte laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für viele Unternehmen schlimme Folgen haben.

 

WhatsApp: Experten raten von Nutzung ab

 

Auch im Handwerk kommt WhatsApp oft zum Einsatz. Die Mitarbeiter bleiben darüber in Kontakt mit Kollegen und Kunden. Die Firmen dulden diese Praxis nicht nur, sondern regen gar zur Nutzung an – etwa mit Diensthandys, auf denen die App bereits installiert ist. Doch Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz des Landes Schleswig-Holstein, warnt gegenüber der WELT eindringlich vor der Nutzung: „Nach jetzigem Datenschutzrecht und auch nach künftigem Datenschutzrecht handelt es sich bei der Weitergabe von personenbezogenen Daten – also zum Beispiel Kundendaten – ohne Rechtsgrundlage oder Einwilligung um einen Datenschutzverstoß.“ Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks stimmt ein. Datenschutzexperte Markus Pfeifer im Gespräch mit der WELT: „WhatsApp greift auf sämtliche Kontaktdaten des Verwenders zu und erhält auf diese Weise Zugang zu Kontaktdaten sogar von Personen, die selbst nicht Nutzer von WhatsApp sind.“ Nicht selten verschicken die Handwerker auch Fotos von ihrer beim Kunden vollbrachten Arbeit über den Dienst. „Da WhatsApp Zugriff auf dieses Bild erhält, handelt es sich hierbei um eine Datenübertragung an WhatsApp, für die der betroffene Kunde jedoch keine Einwilligung erteilt hat. Eine gesetzliche Grundlage für den Datentransfer besteht nicht.“ Im schlimmsten Fall drohen den Unternehmen Klagen.

 

WhatsApp: Legal oder illegal?

 

Auch der Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Cornelius Matutis, meldet sich zu Wort. Ist die WhatsApp-Nutzung wirklich bald verboten? Die gute Nachricht zuerst: Laut Rechtsanwalt Matutis brauchen sich private WhatsApp-Nutzer keine Sorgen zu machen. Denn Artikel 2 Abs. 2c der DSGVO nimmt die Datenverarbeitung von natürlichen Personen für rein persönliche und familiäre Zwecke von der Verordnung aus. Privatpersonen begehen somit keine Datenschutzverstöße. Wer WhatsApp allerdings beruflich nutzt, verstößt mitunter gegen die DSGVO. WhatsApp überträgt bei erteiltem Zugriff auf das Adressbuch die Kontakte auf seine Server in den USA. Die personenbezogenen Daten speichert WhatsApp in einer Datenbank. Die Verordnung verlangt vom Smartphone-Besitzer, dass der die Einwilligung zur Datenübertagung ins Ausland von seinen Kontakten einholt. Außerdem muss zwischen dem Unternehmen und WhatsApp ein Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung bestehen, damit die Verwendung durch die Facebook-Tochter erlaubt ist.

 

WhatsApp im Unternehmen: Das rät der Anwalt

 

Rechtsanwalt Matutis empfiehlt Unternehmen, auf WhatsApp nach dem 25. Mai 2018 zu verzichten, dann ist man auf der sicheren Seite. Möchte man den Messenger jedoch beruflich verwenden, sollte man eine gesonderte SIM-Karte verwenden und von seinen Kontakten eine Einwilligung einholen. Mit WhatsApp muss der Nutzer einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung schließen. Unklar ist noch, inwieweit das unproblematisch möglich ist. Die Facebook-Tochter muss aber bis zum Stichtag die Vorgaben der EU-Verordnung erfüllen. Bei Verstößen gegen die DSGVO ist im schlimmsten Fall mit einer Klage zu rechnen. Da aber das Angemessenheitsprinzip gilt, ist es unwahrscheinlich, dass jeder kleine Verstoß gleich zu einer Klage führt. Stattdessen sind auch „gelbe Karten“ möglich, sprich: Verwarnungen.

 

Quelle: http://www.computerbild.de



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