Urheberrecht: Keine Ausnahmen für nichtkommerzielle Seiten

Das nennt man wohl realitätsbezogenes Lernen. Der Streit um die Veröffentlichung einer Hausarbeit aus dem Spanisch-Unterricht hat es bis vor den Europäischen Gerichtshof geschafft. Denn das Referat enthält ein Bild der Stadt Córdoba, das eine Schülerin von einem öffentlichen Reiseportal übernommen hatte. Der Urheber des Fotos forderte 400,- Euro Schadensersatz und die Abgabe einer Unterlassungserklärung.

 

Schülerin nutzt Aufnahme ohne Zustimmung des Fotografen

 

Die Gesamtschule Waltrop geht mit der Zeit. Besondere Arbeiten der Schülerschaft werden für Eltern und andere Interessierte nicht nur im Schulfoyer ausgestellt, sondern auch auf der eigenen Homepage veröffentlicht. Da allerdings gelten Telemediengesetz und Urheberrecht. Und zwar auch für Schüler. Fotograf Dirk Renckhoff sah sein Recht verletzt, als er eine seiner Aufnahmen der Stadt Córdoba auf den Seiten der Schule wiederfand.

 

Quellenangabe unzureichend

 

Doch das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Waltrop als Träger der Schule wollten den vom Fotografen geforderten Schadensersatz nicht zahlen. Die Anwälte argumentierten, das Bild sei bereits vorher für jedermann im Internet frei zugänglich gewesen. Außerdem habe die Schülerin die Quelle www.schwarzaufweiss.de unter dem Bild angegeben. Das allerdings reichte Fotograf Renckhoff nicht aus. Im Impressum von schwarzundweiß.de sei schließlich klar zu lesen, dass er das Copyright an dem Córdoba-Foto habe.

 

EuGH: Schul-Webseite erschließt neues Publikum

 

Während Land- und Oberlandesgericht dem Fotografen Recht gaben, sah der Bundesgerichtshof offene Fragen: Hat die Schule das Foto wirklich im rechtlichen Sinn für ein neues Publikum sichtbar gemacht? Schließlich konnte die Aufnahme bereits vorher im Internet aufgerufen werden, und zwar mit Zustimmung des Fotografen. Der BGH fragte beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg nach und die Antwort war eindeutig. Der Künstler habe bei der Veröffentlichung auf dem Reiseportal in erster Linie dessen Nutzer im Auge gehabt, nicht die der Schulhomepage. Darüber hinaus wäre das Foto auch ohne Verletzung der Urheberrechte nutzbar gewesen: Statt es herunterzuladen und in ihre Arbeit zu kopieren, hätte die Schülerin einfach einen Link setzen können.

 

Fazit

 

Auch wenn ein Foto auf einer Webseite für ein breites Publikum sichtbar ist, darf es nicht kopiert und in anderen Portalen genutzt werden. Wer eine Aufnahme unbedingt auf der eigenen Seite teilen will, sollte sich deshalb auf einen Link beschränken. Das gilt auch für die nicht-kommerzielle Nutzung durch eine Schulseite. Das Córdoba-Foto in der Hausarbeit der Schülerin dürfte künftig im Unterricht an der Gesamtschule Waltrop einen besonderen Stellenwert bekommen.

 

Quelle: https://www.e-recht24.de/news/



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